Dienstag, 27. Februar 2018

Christentum des Ostens - Orthodoxe und orientalische Kirchen (aktualisiert)

Orthodoxes Kreuz
 mit Christusbildnis
Der christliche Glaube entwickelte sich insbesondere durch die Missionsarbeit des Paulus und seiner Nachfolger zum weltgeschichtlichen Wendepunkt mit einer neuen Zeitrechnung (seit dem 4. Jh.). 

Aber durch die faktische Sprachgrenze im Römischen Imperium (griechischer Osten / lateinischer Westen) und dogmatische Konflikte -  besonders zur Stellung Jesu (Christologie) und zur Trinität – lebten sich Ost- und Westkirchen auseinander. Neben dem Streit um die Festlegung des Ostertermins wuchs sich der “clash” um die Bilderverehrung und Ritenfragen aus (vgl. die  Ikonostase 

als Besonderheit im orthoxen Gotteshaus).

Innerhalb des vielfältigen östlichen Christentums entstanden die oströmische Reichskirche (byzantinische Kirche) sowie stärker ethnisch orientierte Kirchen.Die bekanntesten orthodoxen Kirchen sind – verbunden mit den Patriarchaten von Jerusalem, Antiochien, Alexandrien (koptisch) bzw. Konstantinopel die griechisch-orthodoxe,
später mit Moskau die russisch-orthodoxe
sowie die autokephalen orthodoxen Kirchen des Balkans.


Kretisches Kreuz
mit Paradies-Engel
Ein Teil der orientalischen Kirchen des Nahen und Mittleren Ostens wurde wegen abweichender Lehrmeinungen (wiederum die Stellung Jesu und die Trinität betreffend) aus den orthodoxen Kirchen ausgeschlossen und überlebte z.T. bis heute in den islamisch beherrschten Ländern.


Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der orientalischen Christen zeigt sich z.B. an den Nestorianern und den Aramäern/Assyrern ( =  z.T. Syrisch-Orthodoxe).
Im weitesten Sinne bezeichnet man mit den Assyrern diejenigen, die das Aramäische als liturgische Sprache benutzen:
(Maxim Edwards in Open Democracy, 17.04.2015)
Vgl. auch: Gabriele Yonan: Assyrer heute. Kultur, Sprache, Nationalbewegung der aramäisch sprechenden Christen im Nahen Osten. Verfolgung und Exil.
Hamburg-Wien: Reihe Pogrom 1978

Sehr bekannte altorientalische Kirchen sind die Kopten in Ägypten und Äthiopien
sowie die Georgisch-orthodoxe Kirche und die Armenier in Kleinasien und in der Kaukasus-Region.
--- Fotogalerie: Die armenische Geisterstadt Ani an der türkischen Grenze
Qantara.de (englisch), 11.05.2015


Doppelseite aus dem Codex Etschmiadzin (um 1000)
Im Jahr 2015 jährte sich zum 100. Mal der Völkermord an den Armeniern. Dadurch kommen auch die geschichtlichen Hintergründe und die Bedeutung der Armenischen Kirche verstärkt in den Blick.

Historischer Überblick
--- Katharina Kunter / Meron Mendel / Oliver Fassing (Hg.): Der Völkermord an den Armeniern. Beiträge zu einer multiperspektivischen Erinnerungskultur in Deutschland. Münster: Aschendorff 2017, 192 S.
--- Das Deutsche Reich und die "Armenier-Greuel" 1915/16 -- (Universität Mainz)

Es ist festzuhalten, dass seit dem 8. Jahrhundert das Verhältnis der christlichen Minderheit zur islamischen Mehrheit nie ungetrübt war, aber dass man gelernt hatte, miteinander auszukommen.


Weitere geschichtliche Informationen
Christentum weltweit (westliches und östliches Christentum)
- Überblick und Materialzusammenstellung


Christenverfolgungen: Afrika und Asien
(Die ZEIT online, 25.12.2015)

    Bücherauswahl zum Thema 
  • Kenneth Cragg: The Arab Christians. A History in the Middle East.
    London: Mowbray 1992
  • Vincent Gelot: Chrétiens d'Orient.
    Périple au coeur d'un monde menacé.
    Paris: Albin Michel 2017, 272 pp.
  • Pascal Gollnisch: Chrétiens de l'Orient. Résister sur Notre Terre
    Paris: Cherche Midi 2016, 192 pp.
  • Raymond Le Coz: Histoire de l'Église d'Orient.
    Chrétiens d'Irak, d'Iran et de Turquie. 

    Paris: Cerf 1995, 441 S., Chronologien
    Rezension in France Culture mit weiteren aktuellen Ergänzungen: hier
  • Marcel Pott: Der Kampf um die arabische Seele (2012)
     --- Rezension: hier
  • Türkische Minorität im späten Byzantinischen Reich
    Rustam Shukurov: The Byzantine Turks 1204-1461 (2016)
  • Martin Tamcke: 
    Im Geist des Ostens leben (2008)
    und --- Christliche Gotteslehre im Orient (2008)
  • Hans Georg Thümmel: Die Kirche des Ostens
    im 3. und 4. Jahrhundert. 

    K
    irchengeschichte in Einzeldarstellungen I/4. Berlin: EVA 1988 
  • Friedhelm Winkelmann: Die östlichen Kirchen
    in der Epoche der christologischen Auseinandersetzungen. 

    Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen I/6.
    Berlin: EVA 1980
    3. Aufl.
  • Jean-Pierre Valognes: Vie et mort des chrétiens d'Orient.
    Des origines à nos jours.
     Paris: Fayard 1994
  • Joseph Yacoub: Babylone chrétienne.
    Géopolitique  de l'Église de Mésopotamie.
     

    Paris: Desclée de Brouwer 1996, 334 S., Index
    Englische Rezension: hier

  • Michel Quenot: Les glorieux combattants. 
    Bialystok
     (Pologne): Orthdruk  2015

    Les glorieux combattants
    Dès ses débuts, le christianisme a su séduire des soldats, qui choisirent alors un autre combat : St Longin au pied de la Croix, St Martin en Occident ou St Georges en Orient. Ils furent suivis de beaucoup d’autres, et la vie exemplaire de certains d’entre eux leur a valu d’être canonisés par les Eglises chrétiennes. Mais qui sont-ils, ces "saints en armes" ? Et comment, des origines à aujourd’hui, ont-ils conjugué les nécessités de la guerre avec l’exigence évangélique de la paix ?
    Les splendeurs de l’Athos et des fresques multicolores de l’Orient chrétien ...













CC


Universitätslehrgänge, Seminare und Online-Kurse (aktualisiert)

1. Auswahl von Kursen und Lehrgängen
    - vor Ort

2. Religiöse ONLINE-KURSE,
    MOOCs und Internet-Recherche: hier


Montag, 26. Februar 2018

Pater Dall'Oglio: Mar Moussa - ein Kloster des christlich-islamischen Dialogs in der syrischen Einöde (aktualisiert)

Byzantinische Kapelle (Wikipedia)
Ein verfallenes Kloster, ein Jesuitenpater und die Bergwüste:
Damit beginnt die dramatische Geschichte des italienischen Priesters 
Paolo Dall'Oglio (geb. 1954 in Rom) in Syrien. Er entdeckte 1982 das verfallene Kloster, das den Namen Dair Mār Moūssā al-Habaschi trägt. Der Name bezieht sich auf einen äthiopischen Fürsten, Moses von Abessinien, der hier vor 1500 Jahren in der Einsamkeit mit einigen Gefährten die Nähe zu Gott suchte.

Seit 1984 baute Pater Paolo
Kloster Mar Moussa (Wikimedia)
mit Freiwilligen die Klosterruine nach und nach wieder auf und machte sie zu einer Begegnungsstätte von Christen und Muslimen in der Region und darüber hinaus. In der klösterlichen Abgeschiedenheit leben Mönche und Nonnen (eine Besonderheit in der katholischen Kirche!). Menschen aus aller Welt, die bisher kamen, wurden gastfreundlich
umsonst aufgenommen
und halfen dann als Dank im Kloster mit.
Pater Paolo, unerschrockener Kämpfer für Gerechtigkeit und Frieden, hat seit den revolutionären Aufbrüchen in Syrien immer wieder zwischen den Fronten  vermittelt. Er suchte während des brutaler gewordenen Bürgerkriegs die verfeindeten Gruppen auf und riskierte dabei sein Leben.
Seit dem Spätsommer 2013 ist der Pater jedoch verschwunden - ein beunruhigendes Zeichen! Das hat hauptsächlich den im französischsprachigen Raum tätigen Freundeskreis von Pater Paolo (Les amis de Mar Moussa) bewogen, zu Gedenkveranstaltungen und für die Freilassung des Paters sowie aller syrischen Gefangenen die Stimme zu erheben.




  • Der politisch engagierte Schriftsteller Navid Kermani
    beendete seine Rede zur Verleihung des
    Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2015
    in Frankfurt/M. am Schluss mit folgenden Worten:
    "Beten Sie für Jacques Mourad [ein entführter Priester und Schüler von Pater Paolo], beten Sie für Paolo Dall'Oglio, beten Sie für die Christen von Qaryatein, beten Sie oder wünschen Sie sich die Befreiung aller Geiseln und die Freiheit Syriens und des Irak. Gern können Sie sich dafür auch erheben, damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten." 

    --- 
    Hier der Text der gesamten Friedenspreisrede 

Im Sommer 2013 erschien das Buch von
Paolo Dall'Oglio: La rage et la lumière. Un prêtre dans la révolution syrienne 
( = Die Wut und das Licht. Ein Priester in der syrischen Revolution)

Hintergrundbericht im Portal "Le Chiffon Rouge" vom 30.08.2013 

Die Motivation für das dialogische Handeln
von Pater Paolo Dall'Oglio SJ. 

Erklärung nach seiner Ordination 1983 
(La Croix, 01.09.2014)


Weitere Informationen zu Syrien: hier



VIRTUELLE MUSEUMSRUNDGÄNGE - Begegnungen von KUNST und RELIGION (aktualisiert)


VON DORT (2012)
Beispiele aus der Kunst

Virtuelle Rundgänge und Kommentare

Virtuelle Museumsrundgänge und Zeitreisen
in einzelnen Museen oder an bestimmten Orten

--- Auf die einzelnen Orte klicken:

CC




Mittwoch, 21. Februar 2018

Taizé - Wegstation der Versöhnung

Die romanische (katholische) Dorfkirche in Taizé  -
bis zum Bau der einfachen Versöhnungskirche (1962)
Ort der Tagzeiten-Gebete
Der aus Genf stammende reformierte Pfarrer Roger Schutz (12.05.1915 bis 16.08.2005) hatte schon in der Schweiz begonnen, mit einigen anderen ein kommunitäres Leben zu führen. Auf Grund seiner Verwandtschaftsbeziehungen kam er in der Zeit des 2. Weltkrieges in das kleine burgundische Dorf Taizé. Es lag an der Demarkationslinie zwischen dem von Nazi-Deutschland besetzten Teil Frankreichs und dem noch nicht besetzten sog. Vichy-Frankreich. Dort kaufte er ein Haus, wo er Kriegsflüchtlinge und Juden aufnahm, bis die Wehrmacht auch den sog. freien Teil Frankreich okkupierte. Zu dieser Zeit befand er sich gerade in der Schweiz. Im Spätherbst 1944 - nach der Befreiung Frankreichs - kehrte er mit einigen Brüdern nach Taizé zurück.  Diese evangelischen Christen begannen 1949 ein konsequentes klösterliches Leben. 

Nachdem schon die ersten katholischen Brüder in der Gemeinschaft mitgelebt hatten, legte Ostern 1969 ein junger belgischer Arzt als erster Katholik sein Gelübde ab. François Kardinal Marty, der damalige Erzbischof von Paris, gab dazu sein Einverständnis. Damit wurde die Communauté de Taizé „die erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte“. 2017 zählten etwa 100 Brüder zur Communauté. Die Brüder sind Katholiken oder Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Sie stammen aus über fünfundzwanzig Ländern. Durch ihr Dasein selbst ist die Communauté ein konkretes Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern." (Wikipedia)

Besonders bekannt wurde Taizé durch die immer größer werdenden Jugendbegegnungen, besonders an Ostern und schließlich durch die von Frére Roger ins Leben gerufenen jährlichen Europäischen Jugendtreffen jeweils in einer anderen Stadt Europas. 



Frère Roger 


Glockenturm

Anbau der Versöhnungskirche


Altarraum mit den Ikonen


Die Stille hören ...

Altarraum der Krypta

Jugendtreffen

Gäste-Vorbereitungen

CC



Institut du Monde Arabe - Brücke zwischen Orient und Okzident

Arabische Kalligrafie:
Das Wissen verleiht ewige Kraft
Das Institut du Monde Arabe (IMA), Paris gehört zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen Frankreichs, die die Verbindung mit der arabischen Welt intensiv pflegen. Mit zahlreichen Ausstellungen, Konzerten, Film- und Theater- aufführungen sowie Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Geschichte und der Gegenwart soll ein differenziertes Bild des Orients vermittelt werden.
Oft betrifft dies auch den Zusammenhang zwischen Christentum und Islam.
Eine große Bibliothek und Mediathek sowie eine Spezialbuchhandlung ermöglichen weitergehende Recherchen.

Einige Veranstaltungen auf YouTube zum Nachhören und Nachschauen, besoders die Donnerstage - Jeudis de l'IMA


Hier eine Auswahl älterer Veranstaltungen 

10. November 2014:  Caricaturistes - Fantassins de la démocratie

20. Oktober 2014:     Les Vies de Mohamed Arkoun

19. Juni 2014:           Islam, Islamisme(s) et Ocident

27. März 2014:          Écrire, créer - dans les camps palestinienens

9. Januar 2014:         L'islamophobie en question

22. November 2013:   Une oeuvre, un destin - André Miquel

24. Oktober 2013:      Histoire des relations entre Juifs et Musulmans

Weitere (inter-)religiöse und (inter-)kulturelle Lernorte: hier

Dienstag, 20. Februar 2018

Hasan Askari (1932 - 2008) - (Islamischer) Mystiker jenseits traditioneller Religionen (aktualisiert)

Syed Hasan Askari (geb. 1932 in Hyderabad, gest. 2008 in England) gehört zu den bedeutenden interreligiösen Brückenbauern. Indo-pakistanischer Herkunft und in Großbritannien beheimatet, beeindruckte seine Grenzen überschreitende Spiritualität. Als Professor für Religionswissenschaft lehrte er an verschiedenen Universitäten Europas, Asiens und in den USA: Aligarh (Indien), Beirut (Libanon), Amsterdam (Niederlande), Denver (USA) sowie am Centre for Christian Muslim Relations in Selly Oak, Birmingham (jetzt Centre for Islamic and Middle Eastern Studies der Universität Birmingham). Dort arbeitete er auch mit John Hick zusammen.
Sein "spiritual quest" und seine Erfahrungen religiöser Vielfalt sind von einem spirituellen Humanismus geprägt.
Von seinen vielen Veröffentlichungen sind nur einige noch im Buchhandel oder antiquarisch erhältlich. Auch im Internet sind nur wenigeTexte verfügbar:

Aufsätze in Deutsch


Interviews und Kommentare

Bücher und Texte

  • Inter-Religion - 1976
  • Society and State in Islam - 1977
  • Reflections of the Awakend - 1983
  • (Coedited with John Hick):
    The Experience of Religious Diversity - 1985
  • Spiritual Quest: An Inter-Religious Dimension.
    Pudsey, West Yorkshire )UK): Seven Mirrors 1991, 139 pp.
    Rezension: hier
  • (with David Bowen): Seers and Sages.
    Pudsey, West Yorkshire (UK): Seven Mirrors 1991, 292 pp.
  • Alone to Alone. From Awareness to Vision. Pudsey, West Yorkshire (UK): Seven Mirrors 1991, 292 pp.
    Dedicated to the Guiding Spirit of Plotinus
    Rezension: hier
  • Contemplation of Essence - 1994
  • The Charter of Spiritual Humanism - 1995
    Rede von Hasan Askari: Spiritual Humanism"
    in Hyderabad 1995
  • The Tree of Gnosis. 1996
  • Soul Beings. 1996
  • Masks of Divinity. 1996
  • Guidelines to the Study
    of the Soul - 1996
  • The Quranic Doctrine
    of the Soul - 1996
  • Solomon's Ring.
    The Life and teachings
    of a Sufi Master
    by Gul Hasan.
    Translated from Urdu
    by Hasan Askari.

    Walnut Creek, London, Delhi: Altamira Publ. 1998, 218 pp.
  • The Spiritual Response
    to Terrorism.

    Manuskript 2003, 142 pp.
  • From Interreligious Dialogue to Spiritual Humanism.
    Interreligious Insight 2004


Als langjähriger Partner in Dialog-Sitzungen, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen und anderen Organisationen organisiert und unterstützt wurden, drängte Askari darauf, das interreligiöse Gespräch in die Lebenswirklichkeit des jeweils einzelnen zu transformieren.  
Der anglikanische Bischof
Kenneth Cragg (1913-2012), bedeutender christlicher Interpret islamischer Positionen, betrachtete ihn als einen der acht prominentesten muslimischen Denker des 20. Jahrhunderts.
Hasan Askari war zugleich Philosoph, Mystiker, Historiker und Sozialwissenschaftler. Seine religionswissenschaftliche Kompetenz wie seine mystische Erfahrungen führten ihn dazu, immer wieder einzelne Menschen und Einrichtungen der verschiedenen religiösen Traditionen aufzufordern, ihre selbst auferlegten Grenzen zu überwinden und auf neuen Ebenen des Verstehens miteinander zu kommunizieren.
Hasan Askari ist leider nicht sehr vielen Menschen als Brückenbauer bekannt geworden. Es ist darum eine wichtiger weiterführender Beitrag, dass Verwandte und Freunde von Hasan Askari den Spiritual Human Blog eingerichtet haben, in dem sie die Arbeit und Vision dieser Persönlichkeit beschreiben und weiter bekannt machen wollen.
Hasan Askari war übrigens auch Mitglied der
Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A).